Bildqualität

Bei der Beurteilung der Bildqualität des Plustek OpticFilm 7200 möchte ich gleich mit einem Auflösungstest beginnen, denn die sensationelle optische Auflösung von 7200 dpi ist schließlich das, was diesen Scanner auszeichnet und von vielen Konkurrenzmodellen abhebt. Anschließend gehe ich auf die Bildqualität beim Scannen von Positiven und Negativen ein.

Der spannendste Augenblick beim Test des Plustek OpticFilm 7200 war für mich selbstverständlich der Auflösungstest mit einem USAF-1951 Testtarget. Dass der OpticFilm keine 7200 dpi bringen würde habe ich erwartet. Die Frage war eigentlich nur, um wieviel er die Quasi-Standard-Auflösung vieler Scanner von 4000 dpi oder gar die 5400 dpi des Minolta DiMAGE Scan Elite 5400 schlagen würde.

Bei der Analyse des USAF1951-Scans traute ich jedoch meinen Augen nicht, was ich da sah. Mit viel gutem Willen kann man noch das Element 5.6 erkennen, wobei man gestehen muss, dass sich bei diesem Element die schwarzen Balken vom Hintergrund nicht mehr eindeutig differenzieren lassen wie beim vorigen Element 5.5. Dem Element 5.6 entspricht jedoch gerademal eine Auflösung von 2900 dpi; das sind ja nicht einmal 50% der Nennauflösung.

Dieses Ergebnis kam mir so seltsam vor, dass ich mehrere Male das USAF-1951 Testtarget scannte, ja sogar einmal mit der maximalen interpolierten Scanner-Auflösung von 24.000 dpi. Auch das Scannen eines zweiten, neuen USAF-Test-Targets brachte kein anderes Ergebnis. Somit komme ich auf einen Messwert von 2900 dpi. Das ist natürlich sehr enttäuschend, nicht nur weil er meilenweit von der optischen Nennauflösung von 7200 dpi entfernt ist, sondern weil die meisten Filmscanner, die bescheidene 3600 dpi oder 4000 dpi angeben, effektiv mehr bringen als der Optic-Film 7200.

Nun reichen aber 2900 dpi für die meisten Kleinbild-Filme völlig aus; dass man für einen normalen Kleinbild-Scan keine 7200 dpi braucht, habe ich schon in der Einleitung dieser Seite erwähnt. Allerdings entpuppt sich die Mammutauflösung letztendlich als großer Nachteil des OpticFilm 7200: Um nämlich effektiv einen 2900 dpi-Scan zu erhalten muss man mit 7200 dpi scannen. Die Scan-Zeiten sind bei dieser Auflösung inakzeptabel und die resultierenden Dateien auf der Festplatte sind so groß, dass man schon einen Hochleistungs-PC braucht, um diese in einem Bildbearbeitungsprogramm mit einem akzeptablen Zeitaufwand zu bearbeiten. Schließlich erhält man in der höchsten Auflösung Bilddateien von über 200 MB Größe, die aber effektiv nur 40-50 MB an Bildinformation enthalten. Solche gigantischen Bilddateien kosten einerseits viel Platz auf der Harddisk und andererseits viel Rechenzeit bei der Bildbearbeitung bzw. Bildbetrachtung.

Der Plustek OpticFilm 7200, der als wahres Auflösungswunder auf den Markt kam, verpufft also völlig bei der effektiven optischen Auflösung. Ich bin gespannt, was Computer- und Fotofachzeitschriften für Auflösungen bei diesem Filmscanner messen.

Beim Scannen von Dias ist mir zunächst aufgefallen, dass die Farben gut wiedergegeben werden. Da hat mit Sicherheit SilverFast einen wesentlichen Anteil; schließlich gibt es viele preisgünstigen Filmscanner, die erst durch den Einsatz einer professionellen Scan-Software zu guten Bildergebnissen kommen. Analyisiert man jedoch einzelne Bilder genauer, so erkennt man sehr schnell die Grenzen des OpticFilm 7200: Dies liegen in sehr hellen und sehr dunklen Partien.

Der Grund dafür liegt im sogenannten Dichteumfang des Scanners. Die meisten preisgünstigen Filmscanner haben eine niedrige maximale Dichte, so dass in dunklen Bildpartien kaum Zeichnung vorhanden ist und man eine einheitliche schwarze Fläche anstatt feiner Schwarz-Abstufungen erhält. Dies lässt sich auch mit dem OpticFilm 7200 leicht nachvollziehen, indem man ein Astro-Dia einscannt, wo nahezu das ganze Bild dunkel ist und nur durch einige Sterne aufgehellt wird. Bei der Bildbearbeitung eines solchen Scans merkt man deutlich, wie wenig Bildinformation in der Scan-Datei steckt; da ist kaum noch etwas Sinnvolles zu machen.

Der Plustek OpticFilm 7200 leidet jedoch nicht nur an einer zu geringen Maximaldichte sondern auch an einer zu hohen Minimaldichte, und das ist für viele Amateurfotografen viel schlimmer. Eine zu hohe Minimaldichte bedeutet, dass helle Farbtöne nicht sauber differenziert werden können. Als Beispiel habe ich den Scan eines Hauses mit einer hellen Cumulus-Wolke darüber beigefügt. Beim Plustek-Filmscanner verliert man jegliche Zeichnung in der Wolke; die an sich weiße bis sehr hellgraue Wolke erscheint nahezu in einem einheitlichen Weiß. Man erhält den Eindruck als wäre die Wolke nachträglich mit einem Pinsel einfach in das Bild gemalt worden. Hier ist also wirklich viel Bildinformation verloren gegangen. Noch krasser wird der Effekt der zu hohen Minimaldichte, wenn man winterliche Bergfotos scannt.

Der viel zu geringe Dichteumfang wirkt sich natürlich genauso beim Scannen von Negativen aus. Bei meinen ersten Negativ-Scans erhielt ich fürchterliche Ergebnisse; von Farbtreue war da keine Spur mehr, ich erhielt völlig irrationale Bilder, die mit der Wirklichkeit nichts mehr zu tun hatten. Bei Negativen half mir jedoch SilverFast aus der Patsche, denn die Scansoftware hat für eine große Anzahl an Negativfilmen feste Profile zum Auswählen gespeichert. Dazu muss man sich freilich die Mühe machen, die verwendete Filmmarke sowie den Filmtyp herauszufinden und eine entsprechende Einstellung vorzunehmen. Dieser Aufwand macht sich bezahlt, denn die Bildqualität bei Negativ-Scans wird durch diese Einstellung erheblich verbessert.

Wenn ich bei Farbnegativen die Filmtyp-Einstellungen für jeden Filmstreifen individuell einstellte, erhielt ich eine gleich gute Bildqualität wie bei Positiven. Das ist erstaunlich, denn die meisten Filmscanner liefern bei Dias viel bessere Bilder als bei Negativen. Die Mängel infolge des zu geringen Dichteumfanges sind jedoch durch eine Filmtyp-Einstellung nicht korrigierbar, das liegt in der Scanner-Hardware begründet, da kann keine Software was ausrichten.

Insgesamt mag ich sagen, dass die Bildqualität für ein durchschnittliches Personenfoto gerade noch ausreichend ist. Sobald ein Bild dunkle (Nachtaufnahmen, Aufnahmen im Wald) oder helle Partien (Himmel, Wolken, Strand) hat, wird die erreichte Scanqualität jedoch inakzeptabel.